Cla Nett
Cla Nett live in der Soldatenstube Magletsch    Der Basler Cla Nett ist fraglos eine der Gallionsfiguren der Schweizer Bluesszene und tourt mit seiner Lazy Poker Blues Band seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Lande. Mit mehr als 40000 verkauften Tonträgern ist die 1975 von Cla Nett gegründete Lazy Poker Blues Band die wohl kommerziell erfolgreichste Schweizer Blues Band. Eine stattliche Anzahl Albumproduktionen, unter anderen die in Chicago mit Gastmusikern eingespielten "Halsted Sessions" sind Beweis für seine musikalische Schaffenskraft und seine tiefe Verbundenheit mit dem Blues. Sein aktuellstes Projekt ist die Akustik-Formation "Blues NettWork".
Discographie:
LP Take it lazy
LP Soul Food
LP One more mile
LP Still lazy
LP Dealin' with Feeling
LP Constant food supply
LP Blue Road
CD/MC Best of Lazy Poker
CD Halsted
CD Halsted Sessions
CD Blues NettWork
CD Hotter than hell

1978
1981
1982
1083
1984
1985
1986
1990
1994
1995
2000
2005
Mehr von Cla Nett: www.lazypoker.ch
Es war im Frühjahr 1996 im Kingston Mines an der Halsted Street in Chicago, zu später Stunde, als Cla Nett vom Keyboarder der "Walter Scott Band" spontan zu einer Session eingeladen wurde. Eine grosse Ehre für einen Weissen, und erst noch für einen Europäer. Cla hatte bis anhin eine bereits über zwanzig Jahre dauernde Karriere hinter sich.

Im Jahre 1975 hatte der junge Basler Student zusammen mit Kommilitonen, einem Mechaniker und einem Feinmechaniker die Lazy Poker Blues Band gegründet, im Ohr den Blues-Rock, wie ihn John Mayall, Fleetwood Mac oder Savoy Brown in den sechziger Jahren hervorgebracht hatten. Man benutzte jede Gelegenheit, in Basel aufzutreten. Bereits 1977 kam die Anerkennung durch erste Auftritte im legendären Atlantis. Eine entscheidende Wende kam 1980, als die neu formierte LPBB von "Soul Food" über 5000 Platten absetzte. Mit diesem Erfolg kamen die ersten Auslandtourneen und  die Veröffentlichung bei einem Major Label.

1984 gab die Band in einem Jahr 120 Konzerte, darunter die ausgedehnte Tournee mit Joe Cocker, bei welcher sie vor insgesamt 300000 Zuschauern spielte. Es war eine grosse Erfahrung, eine professionelle Tour in Form einer Rock-Karawane mit Roadies und allem, was dazu gehört.
Eine Schweizer Tournee zum zehnjährigen Jubiläum erlebte grossen Publikumsaufmarsch. Der langjährige Keyboarder Steff Pulver entwickelte sich unterdessen zu einem kompetenten Partner und in Liliane Michel fand er eine singende Frontfrau mit Format.
Zum 15-jährigen Jubiläum erschien 1990 die CD/MC Best of Lazy Poker mit fünfzehn Titeln, mit denen die LPBB Geschichte geschrieben hatte: "Paranoia Lover", "Soul food", "So lazy", "Red hot lover", Blues road" und "Backstage fever".

Im April-Mai 1994 erfüllte sich Cla einen lange gehegten Traum. Er spielte das von ihm und Julian Herzfeld produzierte Album "Halsted" im Studio Chicago Trax ein, das noch im selben Jahr erschien. 1995 wurden die gleichzeitig entstandenen Sessionaufnahmen mit namhaften Bluesmusikern vervollständigt. Als Nachfolger erschienen die sogenannten "Halsted Sessions".

Wir hören erfahrene Musiker wie Little Smokey Smothers, Jimmy Johnson, Pistol Pete Newell, Maurice John Vaughn, Jon Mc Donald, Steve Freund und Harlan Lee Terson, bis auf den letztgenannten (Bass) alle Gitarristen. Die Atmosphäre der Session-Aufnahmen ist von den ersten Klängen des klassischen "Downhome Blues" bis zum eher unerwarteten "Guilty" von Randy Newman überzeugend.

Cla erschuf quasi aus dem Nichts das Quartett Blues NeTTwork. Der Name ist ein Wortspiel, der Sound ein erdiger, ländlicher Down Home Blues, der ganz im Kontrast zu den urbanen Klängen stand, die man von der LPBB gewohnt war. Zusammen mit seinem Bruder Jachen (Gesang, Mundharmonika), Fabio Bianchi (Tuba) und Andy Lang (Waschbrett) nahm er im Jahr 2000 eine selbstproduzierte CD auf und begann unverdrossen mit dieser Band dort, wo er vor fünfundzwanzig Jahren mit der LPBB begonnen hatte. Mit wachsendem Interesse, denn Blues NeTTwork kann ganz schön in die Haut fahren mit ihrem unmittelbaren, stark auch von der Improvisation lebenden Sound.

Gleichzeitig baute Cla auch die LPBB wieder auf, mit demselben Andi Lang (Schlagzeug), Markus Werner (Bass), Beni Müller (Hammond) und Urs Meyer (Rhythmusgitarre). Zusehends modifizierte Cla seinen Hippie-Traum vom harmonierenden Kollektiv und wurde zum akzeptierten Senior Chef der Band. Die jungen Musiker sind offensichtlich ganz froh, von Cla‘s langer Erfahrung und seinen klaren Vorgaben profitieren zu können. Unterdessen zeichnet Cla Nett auch ein Charisma aus, das seinem Feeling für den Blues entspricht. Am meisten freut er sich, wenn ihm ein junger Musiker gesteht, dass er dank Cla selber Mut erhalten habe, Blues-Musik zu spielen.

Cla spielt regelmässig mit Philipp Fankhauser und der D.Biters Bluesband. Sein eigener, unverwechselbarer und prägnanter Gitarrenstil sowie seine Improvisationsfähigkeit und seine Spielfreude werden sehr geschätzt. Zusehends ersetzte er bei der LPBB auch den fehlenden Sänger, und immer öfter gesellte sich auch Roli Frei zur Band, ein verlorener Sohn aus den glorreichen frühen achtziger Jahren. Am 4. Basler Blues-Festival 2003 trat Cla mit Gästen wie Maurice John Vaughn und BJ Emery auf, mit denen er bereits früher zwei kurze CH-Tourneen absolviert hatte. Auch 2004 sollte es zu einer Neuauflage der LPPB mit Gästen kommen, und erst noch mit hohen Zielen. Zu der Herausforderung mit dem Gitarristen John Primer aus Chicago kam die Auseinandersetzung mit der Zydeco-Musik: Doug Legacy (Akkordeon, Piano, Gesang) und Reseda Mickey (Washboard) aus Houston gesellten sich zur LPBB, die sich dank intensiver mentaler und technischer Vorbereitung auf der Höhe dieser für sie stilistisch eher ungewohnten Aufgabe zeigte.

Cla Nett ist der zweite Träger und der erste Musiker, der den Swiss Blues Award erhalten hat. Er wurde ihm am 5. Blues Festival in Basel verliehen. Ein solcher Award wird nicht einfach für einen Musiker verliehen, der schon über tausend Mal auf der Bühne stand, sondern für eine Persönlichkeit, die sich um den Blues und dessen Verbreitung in der Schweiz besonders verdient gemacht hat und heute neben seinen Aktivitäten als Musiker Geschäftsleiter der Schweizerischen Interpreten-Gesellschaft ist.

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