Es war im Frühjahr 1996 im Kingston
Mines an der Halsted Street in Chicago, zu später Stunde, als Cla
Nett vom Keyboarder der "Walter Scott Band" spontan zu
einer Session eingeladen wurde. Eine grosse Ehre für einen
Weissen, und erst noch für einen Europäer. Cla hatte bis anhin
eine bereits über zwanzig Jahre dauernde Karriere hinter sich.
Im Jahre 1975 hatte der junge Basler Student zusammen mit
Kommilitonen, einem Mechaniker und einem Feinmechaniker die Lazy
Poker Blues Band gegründet, im Ohr den Blues-Rock, wie ihn John
Mayall, Fleetwood Mac oder Savoy Brown in den sechziger Jahren
hervorgebracht hatten. Man benutzte jede Gelegenheit, in Basel
aufzutreten. Bereits 1977 kam die Anerkennung durch erste
Auftritte im legendären Atlantis. Eine entscheidende Wende kam
1980, als die neu formierte LPBB von "Soul Food" über
5000 Platten absetzte. Mit diesem Erfolg kamen die ersten
Auslandtourneen und die Veröffentlichung bei einem Major
Label.
1984 gab die Band in einem Jahr 120 Konzerte, darunter die
ausgedehnte Tournee mit Joe Cocker, bei welcher sie vor insgesamt
300000 Zuschauern spielte. Es war eine grosse Erfahrung, eine
professionelle Tour in Form einer Rock-Karawane mit Roadies und
allem, was dazu gehört.
Eine Schweizer Tournee zum zehnjährigen Jubiläum erlebte
grossen Publikumsaufmarsch. Der langjährige Keyboarder Steff
Pulver entwickelte sich unterdessen zu einem kompetenten Partner und in
Liliane Michel fand er eine singende Frontfrau mit Format.
Zum 15-jährigen Jubiläum erschien 1990 die CD/MC Best of Lazy Poker mit
fünfzehn Titeln, mit denen die LPBB Geschichte geschrieben hatte:
"Paranoia Lover", "Soul food", "So lazy",
"Red hot lover", Blues road" und "Backstage
fever".
Im April-Mai 1994 erfüllte sich Cla einen lange gehegten Traum.
Er spielte das von ihm und Julian Herzfeld produzierte Album "Halsted"
im Studio Chicago Trax ein, das noch im selben Jahr erschien. 1995
wurden die gleichzeitig entstandenen Sessionaufnahmen mit
namhaften Bluesmusikern vervollständigt. Als Nachfolger
erschienen die sogenannten "Halsted Sessions".
Wir hören erfahrene Musiker wie Little Smokey Smothers, Jimmy
Johnson, Pistol Pete Newell, Maurice John Vaughn, Jon Mc Donald,
Steve Freund und Harlan Lee Terson, bis auf den letztgenannten
(Bass) alle Gitarristen. Die Atmosphäre der Session-Aufnahmen ist
von den ersten Klängen des klassischen "Downhome Blues"
bis zum eher unerwarteten "Guilty" von Randy Newman
überzeugend.
Cla erschuf quasi aus dem Nichts das Quartett Blues NeTTwork.
Der Name ist ein Wortspiel, der Sound ein erdiger, ländlicher
Down Home Blues, der ganz im Kontrast zu den urbanen Klängen
stand, die man von der LPBB gewohnt war. Zusammen mit seinem
Bruder Jachen (Gesang, Mundharmonika), Fabio Bianchi (Tuba) und
Andy Lang (Waschbrett) nahm er im Jahr 2000 eine selbstproduzierte
CD auf und begann unverdrossen mit dieser Band dort, wo er vor
fünfundzwanzig Jahren mit der LPBB begonnen hatte. Mit wachsendem
Interesse, denn Blues NeTTwork kann ganz schön in die Haut fahren
mit ihrem unmittelbaren, stark auch von der Improvisation lebenden
Sound.
Gleichzeitig baute Cla auch die LPBB wieder auf, mit demselben
Andi Lang (Schlagzeug), Markus Werner (Bass), Beni Müller (Hammond)
und Urs Meyer (Rhythmusgitarre). Zusehends modifizierte Cla seinen
Hippie-Traum vom harmonierenden Kollektiv und wurde zum
akzeptierten Senior Chef der Band. Die jungen Musiker sind
offensichtlich ganz froh, von Cla‘s langer Erfahrung und seinen
klaren Vorgaben profitieren zu können. Unterdessen zeichnet Cla
Nett auch ein Charisma aus, das seinem Feeling für den Blues
entspricht. Am meisten freut er sich, wenn ihm ein junger Musiker
gesteht, dass er dank Cla selber Mut erhalten habe, Blues-Musik zu
spielen.
Cla spielt regelmässig mit Philipp Fankhauser und der D.Biters
Bluesband.
Sein eigener, unverwechselbarer und prägnanter Gitarrenstil sowie
seine Improvisationsfähigkeit und seine Spielfreude werden sehr geschätzt. Zusehends
ersetzte er bei der LPBB auch den fehlenden Sänger, und
immer öfter gesellte sich auch Roli Frei zur Band, ein verlorener
Sohn aus den glorreichen frühen achtziger Jahren. Am 4. Basler
Blues-Festival 2003 trat Cla mit Gästen wie Maurice John Vaughn
und BJ Emery auf, mit denen er bereits früher zwei kurze
CH-Tourneen absolviert hatte. Auch 2004 sollte es zu einer
Neuauflage der LPPB mit Gästen kommen, und erst noch mit hohen
Zielen. Zu der Herausforderung mit dem Gitarristen John Primer aus
Chicago kam die Auseinandersetzung mit der Zydeco-Musik: Doug
Legacy (Akkordeon, Piano, Gesang) und Reseda Mickey (Washboard)
aus Houston gesellten sich zur LPBB, die sich dank intensiver
mentaler und technischer Vorbereitung auf der Höhe dieser für
sie stilistisch eher ungewohnten Aufgabe zeigte.
Cla Nett ist der zweite Träger und der erste Musiker, der den
Swiss Blues Award erhalten hat. Er wurde ihm am 5. Blues Festival
in Basel verliehen. Ein solcher Award wird nicht einfach für
einen Musiker verliehen, der schon über tausend Mal auf der
Bühne stand, sondern für eine Persönlichkeit, die sich um den
Blues und dessen Verbreitung in der Schweiz besonders verdient
gemacht hat und heute neben seinen Aktivitäten als Musiker
Geschäftsleiter der Schweizerischen Interpreten-Gesellschaft ist. |